Horster Ortsgeschichte

von Walter Langrehr

Die älteste Urkunde über den Ort Horst stammt aus dem Jahre 1258. Hieraus geht hervor, dass der “Bischof Wedekind zu Minden” (vor der Reformation gehörte Horst zum Bistum Minden) dem Kloster Mariensee das Obereigentum des vom Ritter Heinrich von Harenberg ihm resignierten Zehnten zu Horst, (Meyngfeld), Beddighoue (Benhof, Wedekinds Hof) und Lesteslage oder Lesteslaebe (Leistlingen) schenkt. Leistlingen ist später in Meyenfeld aufgegangen.

Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1262 besagt, dass “Erzbischof Hildebold zu Bremen” dem Kloster Mariensee das Obereigentum einer Curie (Hof mit erheblichen Ländereien) zu Horst schenkt,- die sein Bruder “Graf Ludolf I. v.Wunstorf” von ihm als Lehen erhalten hatte.

Horst ist viel älter, als es sich gegenwärtig durch Urkunden oder ähnliche Schriftstücke belegen lässt. Als Beweise mögen die Funde und Entdeckungen dienen, die zwischenzeitlich gemacht wurden. Außer einem Tüllenbeil aus Bronze wurde Ende der 20ziger Jahre bei Ausgrabungen eines Hünengrabes am westlichen Rand des Kahlen Berges ein Steinbeil gefunden. Des weiteren wurden erst vor einigen Jahren mehrere Brennofenstellen mit Resten von Holzkohle und Eisenschlacken im Gebiet zwischen Bruchgraben und B6, unweit des Osterwalder Kirchweg, entdeckt. Diese runden, aus Lehm gefertigten Brennöfen dienten der Verhüttung von Erzen, um in mühevoller Arbeit Roheisen zu gewinnen.

Unter dem Ortsnamen Horst wird eine Ansiedlung auf einem erhöhten Platz verstanden. Wie bereits in der Chronik der Stadt Garbsen erwähnt, erstreckt sich ein Landrücken in Form einer Hügelkette aus dem Gebiet westlich des Flughafens Langenhagen über Engelbostel, Stelingen, Berenbostel (Kronsberg), Horst nach Schloß Ricklingen (Rethmer Berg) bis an die Ufer der Leine.

Der Klerus mag die zentrale Lage des Ortes erkannt haben. Er hat an diesem Ort vermutlich schon vor dem Jahr 1000 eine Kapelle oder gar eine Kirche erbauen lassen; denn zum Kirchspiel Horst gehörte nachweislich Schloß Ricklingen, Frielingen, ein Teil von Osterwald u./E. (vermutlich Klingenberg), Auf der Brokel. Noch heute spricht man vom Osterwalder Kirchweg, Kastendamm (ein kleiner Flecken am westlichen Rand von Berenbostel), Meyenfeld und Leistlingen.

Nach älteren Aufzeichnungen erhalten wir die erste Nachricht über einen Kaplan in Horst mit dem Namen Buchardus (oder Chardus) Plebanus (Leuteprister) aus einer Urkunde vom 25.1.1300, der in Horst bei dem Verkauf eines Leibeigenen aus Garbsen an das Kloster Marienwerder als Zeuge fungierte. Seit der Reformationszeit ist ein lückenloses Verzeichnis über die Horster Pastoren vorhanden; beginnend mit Johan Allieb Wedekind (ein Bruder des damaligen Besitzers von Benhof) und als Nachfolger der Magister Conradus Loeding (aus dem jetzigen Hof Lödding stammend).

Das Kirchdorf Horst wird allerdings schon in einer Stiftungsurkunde des Klosters Marienwerder erwähnt, auch wird hierin das im Jahr 1196 in das Kirchdorf  Horst eingepfarrte Dorf Leistlingen genannt. Leistlingen ist im Jahre 1697 mit dem Ort Meyenfeld verschmolzen. Alte Bauernhöfe, die bis heute noch denselben Namen führen, sind: Wedekind´s Hof, – Lödding, Horst Nr.15, – Paulmann, Horst Nr.11.

Wedekind´s Hof wurde im Jahre 1160 Bedinghove (Benhof) genannt und gehörte als meisterpflichtiger Sattelhof dem Kloster Marienwerder. In den Jahren 1278 – 1360 wurde der Sattelhof vom Herzog zu Braunschweig und Lüneburg dem herzoglichen braunschweigischen Camerier und Domainrat Johan I. v. Wedekind geschenkt. Die genaue Schenkungszeit geht nicht aus den Urkunden hervor. Durch häufige Raubüberfälle veranlaßt, wurde der Hof in der Zeit vor dem 7-jährigen Krieg (1756 – 1763) in dem jetzigen Dorfe Horst aufgebaut, wo noch alte Gebäude aus dieser Zeit vorhanden sind.

Der Vollmeier Lödding (Andreaestr.) wurde im Jahr 1579, – und der Großkötner Paulmann (Lutherstr.) in 1650 genannt. In der Parochie Horst wird im Jahre 1360 ein Ort Lamesten erwähnt. Wo dieser Ort gelegen hat und wann er seine Existenz aufgeben mußte bzw. aufgegeben hat, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Anzunehmen ist aber, daß die Lamser Berge ihren Namen von diesem Ort erhalten haben.

Erwähnenswert ist die Kirche. Das hieran angrenzende Grabgewölbe erbaute die Voigt´sche Familie im Jahre 1681. Etwa 1933 fand hierin die letzte Beisetzung statt. Der jetzige weit sichtbare spitze Kirchturm wurde in den Jahren 1866/67 erbaut. Wie aus alten Erzählungen hervorgegangen ist, soll dieses bereits der dritte Kirchturm sein.Die seinerzeit drei alten Bronzeglocken sind leider nicht mehr vorhanden. Der Verbleib kann heute nicht mehr festgestellt werden. Andere Glocken haben ihren Platz eingenommen.

Von 1848 bis 1859 wurde in der Gemeinde Horst die Verkoppelung durch das Amt Ricklingen und dem königlichen Amtsgericht Neustadt a.Rbge. durchgeführt. Seinerzeit hatte der Ort 42 Grundstücksbesitzer und 250 Einwohner. Im Jahre 1955 zählte die Gemeinde 730 Einwohner. Am 31.07.1981 waren es 2.295 Einwohner.

Mit der geschichtlichen Entwicklung des Dorfes ist die Horster Mühle verbunden. Die Mühle wurde Mitte des 19.Jahrhunderts von einem Müller names Heidemann gebaut (der zugleich Mühlenbauer war). Die zum Bau verwandten Ziegelsteine soll er auf dem Felde neben der Baustelle selbst gebrannt haben. Ein Vorfahr von Heinrich Koopmann (Besitzer Ende 20.Jahrhundert) hat die Mühle dann von Heidemann käuflich erworben. Die vor dieser Mühle dort vorhanden gewesene Bockwindmühle ist damals abgerissen und in Harenberg wieder aufgebaut worden.

Die Geschichte der Horster Mühle geht viel weiter zurück. Leider sind die Dokumente und Unterlagen im letzten Krieg abhanden gekommen. Schon im Jahre 1689 wird in Horst ein Müller mit dem Namen Daniel Eikens erwähnt. In der Zeit vor 1715 hat die damalige Mühle höchstwahrscheinlich zum Kloster Mariensee gehört, bevor sie zur Amtsmühle des Amtes Ricklingen erklärt worden ist. Der sich daraus ergebende Mahlzwang war für die zum Amt gehörenden Bauern genau so verbindlich wie für den Müller. Der Müller wurde mit einer Strafe belegt, wenn er sich weigerte, das Getreide eines zum Amt gehörenden Bauern zu mahlen. Umgekehrt wurde auch der Bauer bestraft, wenn er bei einer anderen Mühle mahlen ließ.

Aus der Windmühle wurde wahrscheinlich um die Jahrhundertwende (1899-1900) eine Dampf- und Windmühle; und ab 1913 an Stelle der Dampfkraft der elektrische Strom. Ab 1923 wurde das Mahlwerk nur elektrisch betrieben. Die Galerie und die Flügel wurden entfernt.

Abseits der großen Heerstraße: Hannover – Neustadt – Nienburg – Bremen, war Horst bis zu den 1890er-Jahren nur auf “unergründlichen Sandwegen” zu erreichen. Die verkehrsmäßige Erschließung des Dorfes in Form von festen Straßen erfolgte 1890 – 1910.

Im Zuge der kommunalpolitischen Entwicklung faßten die Ratsherren der 4 Gemeinden:  Horst,  Frielingen,  Meyenfeld  und  Schloß Ricklingen am 30.März 1967 den Beschluß, einen Gemeindeverband in Form einer Samtgemeinde zu bilden. Als Verwaltungssitz wurde aufgrund der zentralen Lage Horst gewählt. Die Samtgemeinde Horst hat nur kurze Zeit bestanden, denn bereits im Jahre 1973 wurde das Dorf ein Stadtteil der noch jungen Stadt Garbsen. Die frühere Samtgemeinde Horst stellt auch heute noch im “Stadtverband Garbsen” einen Ortsbürgermeister.